PAVE Digitale Baudokumentation, Aufgaben- und Mängelmanagement
Bauboom und Produktivität im Bau

Bauboom 2018: Naht das Ende? Wie Sie reagieren sollten!

Dem Bauboom wird derzeit ein nahes Ende prophezeit – trotz einer anhaltend guten Auftragslage. Wir erklären Ihnen, warum die Situation in der deutschen Bauwirtschaft nicht ganz so simpel ist, woran es tatsächlich hakt und warum die Digitalisierung sowie eine Steigerung der Produktivität im Bau die Zukunft sind.

Bauboom in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme

„Deutschland erlebt einen Bauboom!“ – das war meist die Kernaussage, wenn die Medien in den letzten Jahren von der Bauindustrie sprachen. Und jetzt soll dieser Bauboom auf einmal vorbei sein? Das vereinfacht den komplexen Status Quo in der Bauindustrie leider sehr. Zumal die Bauprojekte so unterschiedlich sind wie ihre Finanzierung.

“Ziel sind 400.000 neue Wohnungen pro Jahr.”

Um die zukünftigen Entwicklungen besser zu verstehen, lohnt sich die Frage: Wo boomt der Bau eigentlich? Während gewerbliche und öffentliche Bauinvestitionen in den vergangenen Jahren stagnierten, war der Treiber des Baubooms ganz klar der private Wohnungsneubau. Wie in einer Analyse von McKinsey gut erklärt, hat sich hier das Bauvolumen von 2010 (35 Milliarden Euro) auf 2016 (61 Milliarden Euro) fast verdoppelt.


Bauboom Prognose Deutschland
Quelle: McKinsey Analyse Infrastruktur und Wohnen 2018

Was die politische Agenda angeht, bleibt das in naher Zukunft auch so, denn Fakt ist: Der Wohnraum in den Ballungsgebieten ist viel zu knapp und daher sollen ganze 400.000 neue Wohnungen pro Jahr entstehen. Die ehemalige Bundesbauministerin Barbara Hendricks hielt diese Größenordnung  für absolut notwendig. Um diese ambitionierte Ziel bis 2020 zu erreichen, bedeutet das eine erneute Steigerung des Bauvolumens im privaten Wohnungsneubau um 44 Prozent.

Auch ein Blick auf die Planung der öffentlichen Bauinvestitionen erklärt das prophezeite Ende des Baubooms nicht. Im Vergleich zu 2016 werden bis 2020 noch einmal 12 Milliarden Euro mehr in die Hand genommen, um Knotenpunkte im digitalen und realen Verkehr zu lösen. Also um den Breitband- und Netzausbau zu forcieren sowie um den Bundesverkehrswegeplan (kurz: BVWP 2030) umzusetzen.

 

Ende des Baubooms: Was sind die Gründe?

Es könnte also alles so schön sein in der deutschen Bauwirtschaft: Das prognostizierte Bauvolumen lässt auf eine Nachfrage schließen, von der man in anderen Industrien nur träumen kann. Woran liegt also der vorherrschende Pessimismus?

„Im Jahr 2017 blieben in der Bauindustrie 42 Prozent der Lehrstellen unbesetzt.“

Das Problem ist bei weitem nicht die Nachfrage, sondern die Umsetzung. Denn die Bauindustrie arbeitet bereits jetzt an ihrer Kapazitätsgrenze, vor allem personell. Baufirmen finden nicht genügend Fachkräfte, um den Bauboom weiter aufrecht zu halten. Das eingestaubte Bild von einer Ausbildung im Baugewerbe tut dabei sein Übriges – im Jahr 2017 blieben so 42 Prozent der Lehrstellen unbesetzt (DIHK Ausbildungsumfrage).



Aber das fehlende Personal ist nicht das einzige Nadelöhr. Volle Auftragsbücher, knappes Bauland, steigende Energie- und Rohstoffpreise: Das alles führt zu Verzögerungen und unweigerlichen Preissteigerungen pro Quadratmeter.

Dazu kommt ein komplexes Baurecht, das in Deutschland Ländersache ist. Ein erfolgreich zu Ende gebrachtes Bauprojekt in einem Bundesland kann also nicht ohne weiteres in einem anderen Bundesland wiederholt werden. Dank vieler Detailunterschiede im Baurecht der Länder gilt es die Planungen umfangreich zu prüfen und zu überarbeiten.

Auch was die Zinsen angeht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis eine Kehrtwende eingeleitet wird. Ein Anstieg wird zur Folge haben, dass sich manche Häuslebauer ihre Investition erneut überlegen werden.

Es ist also nicht nur ein Faktor, der den Bauboom in die Knie zu zwingen scheint. Der Eindruck soll aber nicht täuschen: Die Bauindustrie hat weiterhin Hochkonjunktur! So sehr sogar, dass sie mit der Auftragslage schlichtweg überfordert ist.

 

Bauleiter in 2018: Eine Herkulesaufgabe

Diese heikle Balance zu managen liegt nun bei Ihnen und damit eine große Last auf Ihren Schultern. Denn eins ist sicher: In der aktuellen Situation als Bauleiter zu arbeiten, kann getrost als Herkulesaufgabe bezeichnet werden.

Gut, es sind keine 12 Heldentaten, die der gewöhnliche Bauleiter zu bewältigen hat, dafür muss er sich aber mit ganz anderen Herausforderungen herumschlagen. Fachkräftemangel, Platzmangel, Baurecht, Bürokratie – kurzum, es hakt an allen Ecken und Enden. Dazu kommt Druck vom Vater Staat, der die politischen Ausbauziele so schnell wie nur irgend möglich verwirklichen will. Und natürlich vom Bauherren, der seine eigenen finanziellen Ziele verfolgt.

Diesen Teufelskreis aus externen Faktoren kann ein einzelner Betrieb nur schlecht beeinflussen. Das heißt aber noch lange nicht, dass Ihnen komplett die Hände gebunden sind! Um weiterhin von der guten Konjunktur in der Bauwirtschaft profitieren zu können, ist die Steigerung der Produktivität im Bau derzeit das A und O.

Produktivität im Bau ist das A und O.”

Die Zeit der Fachkräfte ist knapp bemessen und das lässt wenig Raum für Fehler in der Planung und Dokumentation. Wer sich hier nicht richtig aufstellt, riskiert lange Verzögerungen. Ein Schlüssel zum Erfolg ist dabei die Digitalisierung aller Prozesse auf dem Bau.

 

Flucht nach vorne: Digitalisierung und Produktivität im Bau

Wussten Sie’s? Was den Digitalisierungsgrad angeht, liegt die Bauindustrie in Deutschland abgeschlagen auf dem vorletzten Platz, einzig und allein vor Jagd und Fischerei (McKinsey). Dabei kann die Bauindustrie mit ihrer Komplexität mitunter am meisten von digital durchgeführten Prozessen profitieren.

“Die Produktivität im Bau kann laut McKinsey um bis zu 40 Prozent gesteigert werden.”

Denken Sie nur an das Mängelmanagement. Viele Bauleiter dokumentieren anfallende Mängel auf der Baustelle bisher händisch mit Stift und Papier. Das heißt: Papierkram und täglich mehrere Stunden Dokumentationsaufwand. Mit der richtigen digitalen Software können Sie das effizienter erledigen.

McKinsey sieht Verbesserungspotenziale bei der Produktivität im Bau von bis zu 40 Prozent. Vorausgesetzt, dass Bauunternehmen digitale Lösungen wie das Building Information Modeling (kurz: BIM) konsequent einführen und die Politik die regulatorischen Bedingungen effizienter gestaltet.

Digital aufgestellt, können Sie den zahlreichen externen Herausforderungen mit einem ganz anderen Handwerkszeug entgegentreten und sich so langfristig einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Ihrer Konkurrenz sichern.

 

Bauboom Ade: Wie reagieren Sie als Bauleiter?

Ja, der Bauboom wie wir ihn kennen, neigt sich dem Ende zu, aber das heißt noch lange nicht, dass Sie sich als Bauleiter demnächst nach neuen Aufträgen umschauen müssen. Ganz im Gegenteil: In der aktuellen Situation gilt es die Faktenlage richtig zu interpretieren.


  1. Die politische Agenda sorgt mit langfristigen Ausbauzielen im privaten und öffentlichen Bereich für eine stabile Auftragslage.
  2. Grund am Rückgang des Baubooms ist unter anderem die akute Überlastung der Bauindustrie.
  3. Bauleiter, die auf Produktivitätssteigerung und Digitalisierung setzen, sind ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus.
  4. Genauso ist die Politik gefragt, einheitliche Bauvorschriften auf Bundesebene und schnellere Behördenprozesse voranzutreiben.

Unser Fazit? Die Arbeit ist da – sie muss nur möglichst effizient erledigt werden. Die Digitalisierung der Bauindustrie durch BIM & Co. wird dabei der Schlüssel zum Erfolg sein.

Add comment