PAVE Digitale Baudokumentation, Aufgaben- und Mängelmanagement
Produktivität am Bau - Zeit und Geld

Das Produktivitätsproblem auf der Baustelle – wo liegen die Gründe?

Ein Fakt zu Beginn: Der Digitalisierungsgrad der Bauindustrie liegt in Deutschland auf dem vorletzten Platz (McKinsey, 2018) – lediglich vor dem Sektor Jagd und Fischerei. Diese Tatsache entfaltet vor allem dann ihre Aussagekraft, wenn man bedenkt, dass innovativen und digitalen Lösungen die Produktivität am Bau drastisch steigern können. Woran liegt es also, dass die Bauindustrie in einer Vergangenheit feststeckt, in der eine Baudokumentation mit Stift und Papier Gang und Gebe ist?

Wir erklären Ihnen vier Gründe dafür – und welche Lösungen den Teufelskreis beenden können.

 

Grund 1 – Stagnierende Produktivität in der globalen Bauwirtschaft

Wenn es ein Trostpflaster gibt, dann ist es die Gewissheit, dass Deutschland mit dem Problem nicht alleine dasteht. Hierzulande hinkt die Baubranche ihrem Potenzial stark hinterher:


“Während die deutsche Gesamtwirtschaft seit 1995 um 1,32 Prozent jährlich produktiver wurde, hinkt die Baubranche mit 0,26 Prozent jährlichem Produktivitätswachstum hinterher“ (McKinsey, 2017).


Damit entgehen Deutschland in jedem Jahr rund 100 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung – gleichzeitig werden die dringend benötigten Bauprojekte nicht fertiggestellt. Weltweit sieht die Lage ähnlich aus: Die Weltwirtschaft wurde in den letzten 20 Jahren um 2,8 Prozent produktiver, die globale Bauindustrie allerdings nur um 1 Prozent.

Internationales Benchmarking? Schön wär’s! Es gibt nur wenige positive Beispiele, an denen sich die deutsche Bauindustrie etwas abschauen kann.

Lösung: Der Experte Dr. Jan Mischke sieht großes Potential in der Standardisierung und Modularisierung von Bauprojekten. Derartige Massenproduktionsverfahren steigern nicht nur die Produktivität am Bau, sondern schaffen auch dringend benötigte Transparenz am Markt.



Sehen auch Sie die Möglichkeit, einen Teil Ihrer Bauelemente vorfertigen zu lassen? Durch einen konsequenten Einsatz der Vorfertigung sinken Ihre Kosten und die Produktivität am Bau kann laut Experten um das Fünf- bis Zehnfache steigen (McKinsey, 2017).

 

Grund 2 – Fragmentierung der Bauindustrie

Transparenz – das richtige Stichwort für unseren nächsten Grund, warum sich die Produktivität am Bau so schwer gestaltet. Das Baugewerbe ist eine stark fragmentierte Industrie: In Deutschland wurden im Jahr 2015 ganze 14.723 Unternehmen im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe registriert, wobei in dieser Statistik nur Firmen mit 20 und mehr Beschäftigten gezählt wurden. Dazu kommen zahlreiche kleinere Betriebe mit weniger Angestellten.


„Das Baugewerbe ist eine Industrie, die sich den Marktgesetzen von Adam Smith widersetzt“ – Luc Luyten von Bain & Company im Economist.


Die Bauindustrie tickt anders – und deshalb steigt die Produktivität am Bau nicht einfach durch die Kräfte und den Wettbewerbsdruck auf dem freien Markt. Ganz im Gegenteil: Die Nachfrage ist derzeit so hoch, dass sich ineffiziente Anbieter keine Sorge machen müssen, alle Aufträge an die produktivere Konkurrenz zu verlieren.

Dazu kommt: Bauprojekte sind wortwörtlich eine Maßanfertigung. Somit ist es schwierig, Skaleneffekte zu generieren, die bei einer großen und effizienten Produktion zu Kosteneinsparungen führen könnten.

Lösung: Auch hier schafft eine Standardisierung der Bauindustrie Abhilfe, und zwar nicht nur hinsichtlich einer Massenproduktion bestimmter Baumodule. Nein, auch das komplexe Baurecht muss in Deutschland in allen Bundesländern standardisiert werden, um die Bauplanung und Baudokumentation zu erleichtern. Darüber hinaus gilt es, die Kooperation zwischen den zahlreichen Facharbeitern und Experten in einer standardisierten Form zu koordinieren.

Die Technologie dazu ist übrigens da! Durch den konsequenten Einsatz von Methoden wie dem Building Information Modeling beugen Sie Produktivitätsverlusten durch fehlende Kommunikation und Abstimmung vor. Sie möchten mehr über die Vorteile von BIM erfahren?



Eine Hürde: In Deutschland gibt es nur wenige große Unternehmen, die es sich leisten können, Ressourcen in die Erprobung von BIM zu investieren, um so die auf dem Gebiet dringend benötigte Pionierarbeit zu leisten. Denn nur 12 Prozent der deutschen Baufirmen beschäftigen mehr als 250 Mitarbeiter (McKinsey, 2018). Für kleinere Firmen sind derartige Investitionen schlichtweg schwierig zu realisieren.

Aber auch das wird sich bald ändern. Da sich der Einsatz von BIM derzeit bei staatlichen Bauprojekten etabliert, werden Verfechter der analogen Baudokumentation mit Stift und Papier über kurz oder lang den Anschluss verlieren.

 

Grund 3 – Im Zwiespalt: Honorarordnung für Architekten und Ingenieure

Die BIM-Frage bringt uns zu einem weiteren Grund, warum Produktivität im Bau in Deutschland oft Mangelware ist: die aktuelle Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (kurz: HOAI).

Die BIM ermöglicht es, den ganzen Lebenszyklus eines Gebäudes in der Planung und Baudokumentation zu berücksichtigen – vor, während und nach dem eigentlichen Bau.

Es versteht sich von selbst, dass derart detaillierte Modelle gerade in den frühen Phasen der Bauplanung für erheblichen Mehraufwand sorgen. Die Krux an der Sache: Während im Laufe der Zeit alle Beteiligten (z.B. auch die Facility Manager) von der Anwendung der BIM-Methode profitieren, liegt der Mehraufwand zunächst bei den Architekten.

Und genau diese bekommen diese Extra-Arbeit nach der aktuellen Honorarordnung nicht gesondert vergütet. Positive Anreize, die zur Anwendung der BIM-Methode motivieren? Fehlanzeige!

Lösung: Wie bei der Standardisierung des komplexen Baurechts ist auch hier die Politik gefragt. Es reicht nicht, Bauunternehmer anzuhalten digitale Lösungen wie BIM einzusetzen. Diese Forderung muss auch im Einklang mit den gültigen Verordnungen stehen. Das ermöglicht eine Umsetzung im Geschäftsalltag.

 

Grund 4 – Mangelnde Fortbildung der Bauleiter

Simsala-BIM! Leider reicht es nicht dieses Zauberwort auszusprechen, um als Bauleiter auch wirklich zu verstehen, wie man Building Information Modeling richtig einsetzt. Denn wer die Vorteile und Funktionsweise der digitalen Lösung nicht versteht, wird sie erst gar nicht oder nicht richtig anwenden.

Dabei ist der Bauleiter der Schlüssel zum Erfolg: Nur wenn dieser die digitalen Lösungen für mehr Produktivität im Bau versteht und ihr Potential ausschöpft, zieht der Rest des Teams mit.

Lösung: Dafür braucht es Produktivitätstrainings, die einen Bauleiter selbst zum Digital Native machen und ihm das nötige Hintergrundwissen für eine souveräne Nutzung der Software an die Hand geben. Nur so garantieren Sie einen zielgerichteten Einsatz der digitalen Bauplanung und Baudokumentation.

Apropos Fortbildungen: Gehen Sie auf Nummer sicher und beugen Sie möglichen Unfällen auf Ihrer Baustelle mit regelmäßigen Sicherheitstrainings vor. Die Sicherheit ist ein entscheidender Faktor, der die Produktivität am Bau beeinflusst, denn: Jeder Unfall kostet Zeit und Geld.

 

Unser Fazit: Es gibt genug Gründe, warum es um die Produktivität am Bau derzeit so schlecht bestellt ist, sei es eine antiquierte Baudokumentation oder eine hinderliche Gesetzeslage. Die gute Nachricht ist aber auch, dass es mindestens genauso viele innovative Lösungen gibt, die sich früher oder später am Markt durchsetzen werden. Sind Sie bereit für die digitale Transformation der Bauindustrie?

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